Drei Monate dauerte es bei Delo in Lohne, bis aus einem Besuch bei der britischen Eco Flexibles eine konkrete Investitionsentscheidung wurde. Im Januar 2025 war es dann soweit: Die Dettmer Verpackungen nahm als erstes deutsches Unternehmen die Fujifilm Jet Press FP790, eine digitale Inkjet-Rollendruckmaschine für flexible Verpackungen, in Betrieb. Ein Artikel von Bernhard Niemela, VerpackungsDruck & Converting
Seither läuft die Maschine bei Dettmer Verpackungen GmbH in Lohne (Delo) im Produktionseinsatz. Im Mai 2026 lud das Unternehmen zusammen mit Fujifilm zu einem eintägigen Workshop ein. Die Gäste erlebten live, wie die FP790 funktioniert und sie konnten sehen, wie sich die klassische Flexodruckerei gerade verändert. Warum Delo diese Investitionsentscheidung traf, erklärt sich aus der Geschäftsrealität einer großen europäischen Flexodruckerei.
Mit etwa 400 Beschäftigten und aktuell 17 Flexodruckmaschinen (zwei weitere im Aufbau) gehört Delo zu den führenden Unternehmen im Markt. Der Maschinenpark wird ergänzt durch Extrusion, Kaschierung und Konfektionierung. Der Kundenkreis deckt Lebensmittel, Hygiene, Haushalt und Industrie ab. Für all diese Anwendungen gilt ein Trend, den Geschäftsführer Ralf Wilkens beobachtet: „Großserien bleiben im Flexo, aber kleinere und individuelle Aufträge verlagern sich zunehmend in den Digitaldruck.“
Der Trend ist klar
Diesen Trend zu ignorieren, kann dazu führen, dass Aufträge entweder abgelehnt werden müssen oder nur mit geringer Marge wirtschaftlich darstellbar sind. Damit stehen viele Druckereien vor einem bekannten Problem: Die Rüstkosten fallen unabhängig von der Auflagenhöhe an.
Während sie bei großen Auflagen kaum ins Gewicht fallen, können sie bei kleinen Losgrößen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Hier setzt die FP790 an. Als wasserbasiertes Inkjetdrucksystem benötigt die Maschine keine Druckform. Die FP790 druckt bis zu 790 Millimeter breit, mit einer Auflösung von 1200 x 1200 dpi und erreicht Geschwindigkeiten bis 50 Meter pro Minute. Für Delo liegt der Einsatzschwerpunkt bei Aufträgen bis etwa 1000 Metern, bei denen der Flexodruck wirtschaftlich weniger sinnvoll ist.
Bernd Böckmann, Leiter der Druckabteilung bei Delo, meint dazu: „Wir erleben Situationen, in denen wir innerhalb von zwei Wochen liefern müssen. Selbst mit eigener Plattenherstellung ist das im Flexo nicht immer realisierbar. Die FP790 verschafft uns die nötige Flexibilität.“
Die Investitionsentscheidung wurde wohl vorbereitet. Die Verantwortlichen von Delo besuchten Eco Flexibles in Großbritannien. Danach war klar: Das System passt zu Delo. „Der Support von Fujifilm war praxisnah und lösungsorientiert“, sagt Wilkens. Das zahlte sich aus. Heute, nach Monaten im Produktiveinsatz, hat Delo auch längere Aufträge auf der FP790 bereits realisiert: Jobs bis 40.000 Quadratmeter. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass digitale Systeme traditionell bei vier bis fünftausend Quadratmetern ihre Grenze hatten.

Das speziell für die Jet Press FP790 entwickelte Digital Front End XMF Packaging von HYBRID Software automatisiert die Datenaufbereitung und Produktionssteuerung im Verpackungsdruck. Bei Delo sorgt die Workflow-Lösung für eine nahtlose Integration der FP790 in den Produktionsprozess und unterstützt kurze Durchlaufzeiten sowie eine effiziente Verarbeitung variabler Druckaufträge.
Nicht nur ein „Auftragsvergrößerer“
Delo sieht die Maschine aber nicht nur als „Auftragsvergrößerer“. Die strategische Bedeutung liegt woanders. Wilkens: „Die Investition ist Teil einer hybriden Produktionsstrategie. Mit Digitaldruck lassen sich kleine Aufträge wirtschaftlich bearbeiten, ohne die Flexo-Linien zu blockieren.“
Konkret bedeutet das: Die FP790 entlastet den Flexobereich und ermöglicht es Delo, die Kapazität der konventionellen Maschinen effizienter einzusetzen. Kleinaufträge gehen auf das digitale Drucksystem. Großserien laufen im Flexodruck. Beide Verfahren arbeiten also nicht konkurrierend, sondern komplementär.
Was dem Digitaldruck in die Karten spielt
Das ist auch das Argument, das Manuel Schrutt von Fujifilm Graphic Systems EMEA beim Workshop präsentierte. Der Leiter des Geschäftsbereichs Verpackung hat eine andere Perspektive auf den Markt als klassische Digitaldruckverkäufer. Die FP790 sieht er in der gesamten Produktion einer Verpackungsdruckerei eingebettet. Neben Nachhaltigkeitsaspekten (Wasser statt VOCs, keine Platten bzw. Sleeves) sieht er dabei auch Vorteile bei der Effizienz (keine Rüstzeiten) und vor allem bei der Marktfähigkeit. Die FP790 sei nicht gebaut worden für Premium-Nischensegmente. Sie wurde vielmehr für den Mainstream konzipiert, also für die Volumina, die jeden Tag in der Flexodruckerei laufen. Schrutt belegte das mit entsprechenden Zahlen. Ein Marktforschungsteam von Fujifilm hat die Job-Verteilung in europäischen Verpackungsdruckereien untersucht. Das Ergebnis: Die meisten Aufträge liegen in dem Bereich von unter 15.000 Quadratmetern. Der europäische Durchschnitt liegt demnach etwa bei 8000. In diesem Segment war der Digitaldruck bisher unwirtschaftlich. Fujifilm setzt aber genau hier mit der FP790 an. Ralf Wilkens von Delo bestätigte das, indem er sagt: „Digital ist nicht nur Ergänzung, sondern zunehmend Bestandteil der Serienfertigung.“
Den ökologischen Aspekt des Digitaldrucks betonte beim Workshop in Lohne auch Ricardo Moura von der portugiesischen Druckerei Apollo Convert (ebenfalls ein FP790-Anwender): „Wasser-basierte Tinten, eine digitale Technologie und kein Abfall – für eine grüne Produktion habe ich diese Maschine gebraucht.“
Was die Marktveränderungen, die dem Digitaldruck in die Karten spielen, betrifft, erklärt Manuel Schrutt: „Während es früher vielleicht 10 Joghurtsorten im Supermarkt gab, sind es heute eher 100. Die Welt wird immer dynamischer: Es gibt Tools wie TikTok oder Instagramm. Dort stellen Markenartikler ein Produkt online, und am nächsten Tag ist es auf der ganzen Welt bekannt. Unter solchen Bedingungen müssen Markenartikler in der Lage sein, Verpackungen wesentlich schneller als bisher herzustellen. Die Bedürfnisse und das Kommunikationsverhalten der Generation Z verändert hier vieles.“
Die Flexodruckbranche ist gefordert
Solche Veränderungen im Markt stellen für die Verpackungsbranche erhebliche Herausforderungen dar und prägten deshalb auch die Gespräche der Verpackungsdrucker, die aus ganz Europa nach Lohne gekommen waren. Moderiert wurde der Workshop von Christian Menegon, einem in der Verpackungsindustrie bekannten Innovationsexperten. Bei Delo konnten die Besucher die FP790 nicht nur in voller Produktion erleben, sondern auch den Workflow von der Designidee bis zum verpackten Produkt verfolgen. Wertvolle Infos boten auch die bisherigen Erfahrungswerte, die Delo mit der FP790 gemacht hat.
Fazit
Die Flexodruckbranche ist gefordert: von sich verändernden Kundenerwartungen, von SKU-Explosionen (immer mehr Varianten in kleineren Stückzahlen), von Nachhaltigkeitsanforderungen und regulatorischem Druck. Ein wirtschaftliches Problem, das jede Druckerei kennt, ist die sogenannte „Lücke“ zwischen wirtschaftlichem Flexodruck und wirtschaftlichem Digitaldruck. Aufträge, die zu klein für Flexo, aber zu groß für klassisches Digital sind, laufen aktuell oft mit Verlust oder werden gar nicht angenommen. Mit der FP790 konnte Delo diese Lücke schließen. Das ist ein Signal an den Markt. Die Investition zeigt, dass es nicht um „Flexo ersetzt Digital“ oder umgekehrt geht, sondern um die intelligente Kombination unterschiedlicher Technologien. Für die Teilnehmer war der Workshop eine gute Gelegenheit zu sehen, wie ein etabliertes Unternehmen seine Strategie ganz pragmatisch anpasst.

Delo in Lohne produziert seit über einem Jahr mit der Fujifilm FP790.
HYBRID Software: Workflow speziell für den digitalen Verpackungsdruck
Mit der Jet Press FP790 setzt Fujifilm auf das speziell für den Verpackungsdruck entwickelte Digital Front End (DFE) XMF Packaging. Die Workflow-Lösung entstand in enger Zusammenarbeit mit HYBRID Software und wurde gezielt auf die Anforderungen industrieller Verpackungsproduktionen ausgelegt.
Der webbasierte Produktions-Workflow basiert auf einer offenen, modularen Architektur und automatisiert zentrale Vordruckprozesse. Dadurch lassen sich Datenaufbereitung, RIP-Prozesse und Druckproduktion effizient miteinander verknüpfen, was zu kürzeren Durchlaufzeiten und einer höheren Anlagenauslastung beiträgt. Gleichzeitig ermöglicht die offene Systemarchitektur die Anbindung an bestehende MIS-, ERP- und Prepress-Systeme sowie eine bedarfsgerechte Erweiterung des Workflows.
Insbesondere bei Aufträgen mit variablen Daten spielt XMF Packaging seine Stärken aus: Die schnelle RIP-&-Print-Verarbeitung unterstützt eine produktive Auslastung der Jet Press FP790 auch bei komplexen Jobstrukturen. Ein Praxisbeispiel ist die Installation beim Verpackungsdruckunternehmen Dettmer, dessen Jet Press FP790 über XMF Packaging verfügt. Dort bildet das Workflow-System die Grundlage für einen weitgehend automatisierten Produktionsablauf und unterstützt die effiziente Verarbeitung digitaler Verpackungsaufträge.

